Wiesbadener Wirtschaft: Jahresauftakt mit Rekordwerten

21. Januar 2016 - Die Wirtschaft im Wiesbadener Raum startet rasant ins neue Jahr: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt – die Unternehmen schätzen ihre derzeitige Geschäftslage so gut ein wie noch nie. Auch die Wachstumsaussichten sind so gut wie lange nicht. Nach der repräsentativen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden hat der Geschäftsklimaindex zum Jahresbeginn um 9 Zähler auf 141 Punkte zugelegt – das ist der höchste Stand seit 15 Jahren. Der Index ist ein Gradmesser für die regionale Wirtschaftsentwicklung. Er wird aus dem Mittelwert zwischen der Beurteilung der aktuellen Lage und den Geschäftserwartungen gebildet und kann zwischen 0 und 200 Punkten schwanken. Die positiven Wachstumsaussichten schlagen sich auch in den Personalplänen der Unternehmen nieder: 28 Prozent der Betriebe wollen die eigene Belegschaft aufstocken – 11 Prozent mehr als noch im Herbst des Vorjahres. Nur 7 Prozent planen einen Stellenabbau.
„Der günstig bewertete Euro, die niedrigen Energiepreise, steigende Realeinkommen und das Niedrigzinsumfeld sorgen weiterhin für einen starken privaten Konsum. Zu einem hohen Staatskonsum trägt auch die Flüchtlingskrise bei. Die Wirtschaft insgesamt profitiert“, sagt Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden. Für sämtliche Branchen in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und Hochheim stehen die Zeichen auf Wachstum; besonders in der Industrie weist der Trend stark nach oben. „Alle Branchenindikatoren haben sich positiv entwickelt. Das macht sich im Ergebnis insgesamt deutlich bemerkbar“, stellt Steidl fest. Zudem wird der Vorsprung der Wiesbadener Wirtschaft innerhalb Hessens größer: Der Geschäftsklimaindex ist hessenweit der Beste – der Abstand ist von 11 auf 17 Punkte geklettert. Damit baut die Wirtschaft im Bezirk der IHK Wiesbaden ihren Wachstumsvorsprung aus. Die IHK-Prognose vom vergangenen Herbst verfestigt sich: „Das Wachstum wird dieses Jahr deutlich zulegen und die gesamthessische Wachstumsrate übertreffen.“
Ihre gegenwärtige Lage beschreiben 59 Prozent der Unternehmen in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und Hochheim als gut, das entspricht einer Steigerung um 8 Prozentpunkte. Der Anteil der Unternehmen mit positiven Geschäftserwartungen ist von 28 auf 35 Prozent gestiegen – ein Wert, der zuletzt 2011 erreicht wurde. Auch die Exporterwartungen der Unternehmen im Bezirk der IHK Wiesbaden sind gegenüber der letzten Umfrage weiter gestiegen. So rechnen 36 Prozent der Betriebe für das Jahr 2016 mit einem größeren Exportvolumen. „Die Betriebe lassen sich durch die globalen Krisen nicht verunsichern“, kommentiert Steidl. Das bestätigt auch Andreas Nolte, Geschäftsführer von fünf Edeka-Märkten, davon drei in Wiesbaden: Er spüre weltwirtschaftliche Turbulenzen zunächst kaum. „Allerdings kann die Edeka-Gruppe als Ganze bei zurückgehenden Industrieexporten betroffen sein. So kann etwa die Kantinenbelieferung inländischer Produktionsstätten leiden.“ Die hervorragende Konjunktureinschätzung teilt Theo Baumstark, Geschäftsführer der Baumstark Theo GmbH & Co. Wärme- und Gesundheitstechnik KG und Vizepräsident der IHK Wiesbaden, für sein eigenes Unternehmen: „Wir merken, dass aufgrund der niedrigen Zinsen Betongold als Anlageform attraktiver geworden ist. Wiesbadener renovieren mehr als früher und achten dabei auf die Qualität der Ausführung. Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist vorbei.“ Baumstark plant eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl von 80 auf 85.