„Beruf ein elementarer Erfolgsfaktor auf dem Weg zur Integration“

Europaministerin Lucia Puttrich: Im Gespräch mit syrischem Flüchtling George George / Begegnungsreihe mit Besuch bei Integrationsprojekt der IHK Wiesbaden fortgesetzt

3. März 2016 - Hessens Europaministerin Lucia Puttrich hat mit dem syrischen Flüchtling George George über die Chancen und Möglichkeiten der Integration in Europa gesprochen. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich Menschen, mit den Erfahrungen aus Krieg und Flucht im Nacken hier ehrgeizig in die Gesellschaft einbringen“, sagte Ministerin Puttrich bei ihrem Treffen am Mittwoch, 2. März, mit dem 28-Jährigen. George, der aus Aleppo geflohen ist und seit 2015 in Deutschland lebt, absolviert derzeit ein Praktikum zur Berufsvorbereitung im Rahmen des Integrationsprojekts der IHK Wiesbaden im Autohaus Haese.

„Mit unserer Begegnungsreihe zeigen wir Beispiele gelungener Integration in Europa auf. Dazu besuchen wir nicht nur Menschen, die aus europäischen Mitgliedsstaaten nach Hessen gekommen sind, sondern auch solche, die aus unterschiedlichsten Gründen aus der ganzen Welt hierhergekommen sind“, sagte Puttrich in Wiesbaden. In Europa gebe es reichlich Erfahrung mit der Integration ganz unterschiedlicher Kulturen. „Der Binnenmarkt funktioniert so gut, weil sich die Europäer offensichtlich gut auf andere einlassen können“, so Puttrich. Das habe man auch bei den zahlreichen Erweiterungen der EU seit Bestehen gesehen. „Ich bin davon überzeugt, dass alldiejenigen, die sich hier oder in einem anderen EU-Mitgliedsstaat integrieren möchten, gute Voraussetzungen finden.“ Als einen wesentlichen Motor zur Integration sieht die Ministerin Wirtschaft und Handwerk. „Gerade ein Beruf ist ein elementarer Erfolgsfaktor auf dem Weg zur gesellschaftlichen Integration“, hob Puttrich hervor.    

Neben George George nehmen weitere sechs Frauen und zwölf Männer aus Äthiopien, Afghanistan, Algerien, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan und Syrien über zehn Monate hinweg am Integrationsprojekt der Industrie und Handelskammer Wiesbaden teil. Sie erhalten eine Vorbereitung auf eine Ausbildung und durchlaufen dabei Deutsch- und Integrationskurse, Berufsorientierung und Bewerbungstraining sowie Praktika in Unternehmen der Region Wiesbaden.

„Kompetenz und soziales Engagement der eingesessenen Unternehmen eröffnen den jungen Menschen gute Berufsperspektiven. Zugleich werden ihnen aber auch die zentralen Werte unserer Gesellschaft, etwa soziales Engagement, Zusammenhalt und Leistung, authentisch vorgelebt“, erklärte die Europaministerin. „Dieses Projekt ist mehr als Berufseinstiegshilfe. Es bereitet die jungen Menschen als verantwortungsvolle und aktive Mitglieder der Gesellschaft vor“, zeigte sich Puttrich begeistert davon, dass im Deutsch- und Integrationsunterricht auch zentrale Aspekte der deutschen Geschichte sowie auch aktuelle Geschehnisse in Deutschland erörtert werden.

„Das Beispiel von Herrn George kann auch anderen Mut machen, dass sie durch Bereitschaft zur Integration und Leistung ein Teil unserer Gesellschaft in der Mitte Europas werden können“, so Europaministerin Puttrich abschließend in Wiesbaden.

Hintergrund:

Die Gesprächsreihe „Begegnungen“ wurde 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, Lebensgeschichten in Europa als Heimat für Menschen aus unterschiedlichen Ländern darzustellen. Durch die Gespräche von Europaministerin Puttrich oder Staatssekretär Weinmeister mit den in Hessen verwurzelten Personen soll das selbstverständliche und reibungslose Miteinander ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

Integrationsprojekt der IHK Wiesbaden
Mit einer Patenbörse startete im November 2015 ein in dieser Form bundesweit einmaliges Integrationsprojekt für Flüchtlinge, an dem rund 40 Unternehmen aller Größen und Branchen aus der Region Wiesbaden beteiligt sind.

Die Finanzierung des gesamten Projekts erfolgt durch Spenden der Unternehmen. Der Umfang des jeweiligen Engagements ist unterschiedlich, manche Betriebe finanzieren sogar gleich mehrere Patenschaften. Ziel ist es, junge Flüchtlinge über zehn Monate hinweg systematisch auf eine Ausbildung vorzubereiten – mit einem intensiven Deutsch- und Integrationskurs, Berufsorientierung, Bewerbungstraining sowie Praktika in Unternehmen in der Region Wiesbaden. Organisiert wird das Projekt von der IHK Wiesbaden, in deren Räumlichkeiten zum Teil auch die Kurse stattfinden.

Ausgewählt wurden 6 Frauen und 13 Männer aus Äthiopien, Afghanistan, Algerien, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan und Syrien, wobei Kriterien wie schulische Vorbildung und eine sichere Bleibeperspektive bei der Auswahl entscheidend waren. Konkret soll speziell der Altersgruppe der 18 bis 25 Jährigen Berufsperspektiven eröffnet werden.
Im Anschluss an den Sprachunterricht folgen ein viermonatiges Praktikum in einem Unternehmen und eine abschließende Übergangsphase mit Bewerbungstraining von einem Monat. Am Ende der Projektzeit sollen die Teilnehmer darauf vorbereitet sein, eine Ausbildung zu beginnen. Hierzu arbeitet die IHK Wiesbaden mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft zusammen.
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