Konjunkturumfrage der IHK Wiesbaden

Regionale Wirtschaft: Sonniger Jahresauftakt / Verstärkte Auslandsinvestitionen / Fachkräftemangel rückt stärker in den Fokus

26. Januar 2017 - Die heimische Wirtschaft ist schwungvoll ins neue Jahr gestartet: Die Unternehmen in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und in Hochheim wollen weiterhin Stellen aufstocken und lassen sich bei ihren Exportgeschäften durch die weltpolitischen Ereignisse nicht beirren. Sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich gegenüber Herbst 2016 leicht verbessert. Das zeigt die repräsentative Umfrage zur wirtschaftlichen Lage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden zum Jahresbeginn. Der Geschäftsklimaindex – Gradmesser der regionalen Wirtschaftsentwicklung – klettert um 2 auf 128 Zähler und markiert damit abermals den Spitzenwert in Hessen. „Das neue Jahr bringt gute Aussichten für die Unternehmen in unserer Wirtschaftsregion“, sagt Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden. „2017 rechnen wir erneut mit einem Wachstum über dem hessischen Durchschnitt.“ Der Geschäftsklimaindex wird aus dem Mittelwert zwischen der Beurteilung der aktuellen Lage und den Geschäftserwartungen gebildet und kann zwischen 0 und 200 Punkten schwanken. Ein Wert über 100 signalisiert einen spürbaren Wachstumsimpuls.
Die guten Zahlen machen sich ebenso bei den Arbeitsplätzen bemerkbar: Die Betriebe der Wirtschaftsregion Wiesbaden bleiben auf hohem Niveau einstellungsfreudig. Auch in den kommenden zwölf Monaten will jedes vierte Unternehmen die Belegschaft aufstocken. Nur jedes zehnte Unternehmen plant, Arbeitsplätze abzubauen. „Wir werden ein weiteres Jahr des Beschäftigungsaufbaus in der Region sehen“, sagt Steidl voraus. Dabei ist der Fachkräftemangel wieder verstärkt in den Fokus der Unternehmen in der IHK-Region gerückt: Inzwischen sehen ihn 45 Prozent der Betriebe als großes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. Vor einem Jahr waren es noch 35 Prozent. Ein hohes Maß an Bürokratie und Regulierung sowie das Niedrigzinsumfeld werden weiterhin als Risiken genannt. Für gut die Hälfte der Unternehmen bleiben indes die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das größte Sorgenkind. Im Umfeld der Wahlen in Deutschland und anderswo in Europa herrscht politische Unsicherheit. „Durch einige bedeutende Wahlen werden 2017 die Weichen für die nächsten Jahre gestellt – sie werden auch das unternehmerische Handeln beeinflussen. Nur ein stabiles politisches Umfeld kann dauerhaft für Rahmenbedingungen sorgen, auf die sich Unternehmen bei ihrer Planung verlassen können. Unsicherheit ist Gift für das Investitionsklima“, erläutert Steidl.
Die Bereitschaft zu Inlandsinvestitionen geht etwas zurück, bleibt aber hoch: Unterm Strich will jedes fünfte Unternehmen seine Investitionen im laufenden Jahr steigern. 45 Prozent der Betriebe planen, im Ausland zu investieren. 2016 waren es nur 39 Prozent. Davon will gut jedes dritte Unternehmen die Investitionsausgaben gegenüber dem Vorjahr erhöhen, aber nur jedes zehnte verringern. Knapp zwei Drittel der Betriebe planen ein Engagement in der Eurozone, 22 Prozent in China, 16 Prozent in Nordamerika und lediglich 3 Prozent im Vereinigten Königreich. Der Saldo aus steigenden und abnehmenden Exporterwartungen für das laufende Jahr hat sich gegenüber vergangenem Herbst von 23 auf 28 Punkte verbessert. Der weiterhin günstige Wechselkurs hilft. Die exportierenden Unternehmen zeigen sich vom unklaren wirtschaftspolitischen Programm des neuen US-Präsidenten Donald Trump und dem ungewissen Ausgang der Brexit-Verhandlungen unbeeindruckt – vor allem exportierende Dienstleister rechnen mit insgesamt deutlich steigenden Auslandsgeschäften. „Die international verflochtene heimische Wirtschaft profitiert vom Freihandel – er erleichtert ausländische Investitionen und Exporte“, stellt Steidl fest.
Die momentane Geschäftslage wird von den Unternehmen in der IHK-Region Wiesbaden besser eingeschätzt als im Herbst 2016. 47 Prozent der Unternehmer beschreiben ihre Lage als gut (+3 Prozentpunkte), 8 Prozent (+1 Punkt) als schlecht. Hinsichtlich der Geschäftser-wartungen hat ein Viertel der Unternehmen positive Erwartungen (+4 Punkte). Gleichzeitig rechnen 8 Prozent (+3 Punkte) mit schlechteren Aussichten.