Azubi aus Wiesbaden bundesweit an der Spitze

IHK-Organisation ehrt bundesbeste Produktionsfachkraft Chemie aus Wiesbaden – Ausbildung im Bildungszentrum Kalle-Albert absolviert

5. Januar 2017 -
Bei der jährlichen Ehrung der bundesbesten IHK-Azubis in Berlin war auch ein Spitzen-Azubi aus der hessischen Landeshauptstadt dabei: Der Wiesbadener Stefan Baum ist der beste Azubi Deutschlands im Beruf Produktionsfachkraft Chemie. Seine Prüfung hat er mit 96 von möglichen 100 Punkten bestanden und damit bundesweit die höchste Punktzahl in seinem Ausbildungsberuf erreicht. Seine Ausbildung absolvierte er im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Bei der 11. Nationalen Bestenehrung der IHK-Organisation in Berlin stand er vor gut 1.000 Menschen auf der Bühne, um seine Auszeichnung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer entgegenzunehmen.
Der Wiesbadener gehört damit zu den 219 Spitzen-Absolventen des aktuellen Jahrgangs – und zwar von mehr als 300.000 Prüfungsteilnehmern. „Wir sind stolz, dass einer der Top-Azubis aus unserer Region kommt“, gratuliert Christine Lutz, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung bei der IHK Wiesbaden. „Mit seiner Leistung ist er ein Vorbild – auch weil er anderen Mut macht. Mit Einsatzbereitschaft und Durchhaltewillen kann man selbst auf Umwegen zum Ziel kommen.“ Denn der Weg zum besten Azubi seines Berufs verlief alles andere als geradlinig: Stefan Baum war 34 Jahre alt, als er sich um eine Ausbildungsstelle bewarb. Nach der Schulzeit hatte der Wiesbadener zunächst im Altenpflegeheim mit Alzheimer-Patienten gearbeitet und schließlich, als seine Arbeitszeit um 50 Prozent reduziert worden war, den Realschulabschluss nachgeholt. Er wollte beruflich weiterkommen, eine Ausbildung beginnen.
Dabei sei es nicht leicht gewesen, mit über 30 noch einen Ausbildungsplatz zu finden: „Da ist man froh, wenn man überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird.“ Daher habe er sich bewusst auch nicht auf einen Wunschberuf festgelegt. Die Ausbildung zur Produktionsfachkraft Chemie interessierte ihn, weil er Naturwissenschaften schon immer spannend fand – und im Internet gelesen hatte, dass es in diesem Bereich gute Berufsaussichten gebe. Im Bildungszentrum des Industrieparks Kalle-Albert in Wiesbaden fand er schließlich eine Ausbildungsstelle. „Ich war sehr froh, dass ich diese Chance bekommen habe“, sagt Stefan Baum.
Zwei Jahre dauert die Ausbildung zur Produktionsfachkraft Chemie, um ein halbes Jahr konnte der Wiesbadener seine Abschlussprüfung vorziehen. Als Produktionsfachkraft Chemie muss er wissen, wie man Produktionsmaschinen bedient, kontrolliert und wartet. Er lernte den richtigen Umgang mit Säuren, Basen, Salzen und Lösungen und erfuhr, wie man im Labor Proben entnimmt und analysiert. Die Kalle GmbH, wo er während der Ausbildung eingesetzt war, habe ihn sehr unterstützt – und das Unternehmen, weltweit führender Anbieter industriell hergestellter Hüllen für Fleischwaren, hat ihn nach dem Abschluss seiner Prüfung auch direkt übernommen: Der 37-Jährige arbeitet nun im Viskose-Betrieb, wo die Viskose hergestellt wird, aus der die Wursthüllen entstehen. Das nächste Ziel hat Stefan Baum schon fest vor Augen: Das Unternehmen habe ihm in Aussicht gestellt, den Abschluss als Chemikant machen zu können.
„Sein Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, auch denen eine Chance zu geben, die Startschwierigkeiten beim Übergang ins Berufsleben haben“, sagt Christine Lutz. „Die Unternehmen tun schon eine Menge, um den Einstieg zu erleichtern: Rund 40 Prozent der Ausbildungsbetriebe leisten inzwischen Nachhilfe; viele bieten Einstiegsqualifzierungen als Brücke in die Ausbildung an.“
Zum Hintergrund: Produktionsfachkraft Chemie
Ausbildungsdauer: 2 Jahre Voraussetzung: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.
Tätigkeit: Produktionsfachkräfte Chemie bereiten nach Rezepturen Mischungen zum Beispiel für Düngemittel, Mineralölprodukte oder Farben zu. Sie stellen die Apparaturen für den Produktionsprozess ein, bedienen die Anlagen und beobachten die Messinstrumente, um Abweichungen zu erkennen und eingreifen zu können. Der laufenden Produktion entnehmen sie Proben und führen Laborprüfungen durch. Ferner wirken sie bei der Verpackung und Lagerung der Endprodukte mit und warten die Anlagen.
IHK-Ansprechpartner: Sascha Vohla, Telefon 0611 1500-185, s.vohla@wiesbaden.ihk.de