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Gesundheitswirtschaft (Dokument-Nr.: 3111)
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Gesundheitswirtschaft im demografischen Wandel: Alle Potenziale nutzen
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Resultat des demographischen Wandels: Deutschland wird älter.
Neue Geschäftsfelder entdecken
In der Gesundheitswirtschaft wird es eine ganze Reihe neuer Geschäftsfelder geben. Dazu gehört beispielsweise die (tele-)medizinische Versorgung dünn besiedelter Gebiete. Die damit verbundene Vernetzung, Wartung und Betreuung bietet viele neue Tätigkeitsfelder. Die zunehmende Zahl älterer Mitbürger, die bis ins hohe Alter zu Hause wohnen möchten, wird zu neuen Formen des altersgerechten Wohnens, der Betreuung und Versorgung zu Hause führen.
Der Außenhandel boomt
Bislang macht der Export in der Gesundheitswirtschaft im Wert von 73 Milliarden Euro pro Jahr bereits gut sechs Prozent der gesamten Exportausgaben aus. Der Exportüberschuss liegt bei zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Der positive Trend beruht nicht zuletzt auch auf der – in vielen Ländern ebenfalls demografisch bedingt – wachsenden Nachfrage nach deutschen Gesundheitsleistungen. Die IHK-Organisation mit dem Netz der Auslandshandelskammern (AHKs) ist der ideale Ansprechpartner in diesen Fragen. Insbesondere wenn es darum geht, kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu ausländischen Märkten zu erleichtern, sind die AHKs erfahrene Akteure.
Im zweiten Markt bewegt sich vieles
Ein weiterer wachsender Sektor in der Gesundheitswirtschaft ist der so genannte zweite Gesundheitsmarkt. Ausgaben in Höhe von jährlich 60 Milliarden Euro und ein Wachstum von sechs Prozent pro Jahr in diesem nicht von Versicherungen finanzierten Bereich sprechen für sich. Zu ihm gehören Gesundheitsgüter und -leistungen, die frei zugekauft werden können, von der Vitamintablette über nicht verschreibungspflichtige Medikamente bis hin zu Angeboten des Gesundheitstourismus. Die Wachstumsaussichten für diesen Bereich sind positiv, neben dem demografischen Wandel spielen hier auch ein steigendes Gesundheitsbewusstsein sowie der medizinisch-technische Fortschritt eine treibende Rolle.
Fachkräfte gewinnen und halten
Der demografische Wandel, die wachsende Nachfrage und eine sinkende Zahl von Erwerbstätigen bedeuten auch, dass Fachkräfte fehlen werden. Gerade in der Gesundheitswirtschaft – sei es im Kernbereich der ambulanten und stationären Versorgung oder dem Handel von Gesundheitsprodukten, der Pharmaindustrie oder der Medizintechnik – wächst die Sorge: 42 Prozent der Betriebe der Gesundheitswirtschaft sehen den Fachkräftemangel als größtes Risiko für ihre zukünftige wirtschaftliche Entwicklung an. Bei den Gesundheits- und Sozialen Diensten sind es sogar 68 Prozent.
a) Nachwuchs sichern
Es ist mehr Ausbildung im Pflegebereich nötig. So sollte die Einführung eines bundeseinheitlich geregelten IHK-Pflegeberufs geprüft werden. Ansätze wie die der EU-Kommission, die schulischen Voraussetzungen für die Ausbildung für den Beruf der Krankenschwester von zehn auf zwölf Schuljahre anzuheben, sind dagegen nicht zielführend. Damit würden die Hürden für Berufsanfänger noch höher gelegt.
Auch der Nachwuchs für neue Tätigkeitsfelder, etwa im IT-Bereich, muss gesichert werden. Eine arbeitsteiligere Gestaltung der Gesundheitsberufe bietet attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten. Dies sollten Politik sowie etablierte Berufsgruppen unterstützen. Kooperationen zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen im Gesundheitswesen sollten in größerem Umfang möglich sein.
b) Vereinbarkeit erleichtern
In vielen Bereichen der Gesundheitswirtschaft arbeiten überwiegend Frauen, etwa im Pflegebereich, zunehmend aber auch im stationären Sektor. Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf können die Unternehmen diese Fachkräfte halten und auch neue gewinnen. Die Betriebe können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielfältig unterstützen. Das DIHK-Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ unterstützt dabei – auch wenn es um branchenspezifische Informationen etwa für Krankenhäuser oder Apotheken geht.
c) Mitarbeiter gesund erhalten
Die Beschäftigungsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten, wird künftig immer wichtiger. Hier kommt der Gesundheitswirtschaft eine Rolle als Anbieter in der betrieblichen Gesundheitsförderung zu. Sie ist aber auch selbst besonders stark vom demografischen Wandel betroffen, wie etwa in der Pflege. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen benötigen einfache, praktische Hilfen, wie sie ihre Mitarbeiter unterstützen können: sei es durch Einrichtung altersgerechter Arbeitsplätze, durch Sport- und Bewegungsangebote oder Angebote zu gesunder Ernährung.
Finanzierung sichern
Die sinkende Zahl an Beitragszahlern und eine wachsenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen stellen die Finanzierung des Gesundheitswesens vor große Herausforderungen. Um sie nachhaltig zu sichern, muss die Politik die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung, ebenso wie die der Sozialen Pflegeversicherung, auf lohnunabhängige Prämien in Verbindung mit einem steuerfinanzierten Sozialausgleich umstellen. Ergänzende Kapitaldeckung ist notwendig, um eine spätere hohe Belastung von Beitragszahlern und Betrieben zu vermeiden.
Eng verknüpft mit der Frage der Finanzierung ist die Debatte über den zukünftigen Versorgungsumfang. Der Frage, was sich die Gesellschaft künftig im Gesundheitswesen leisten kann und möchte, müssen sich Politik und Gesellschaft stellen. Die Diskussion um den künftigen Leistungsumfang des Gesundheitswesens ist nötig, um künftigen Generationen eine angemessene Versorgung zu ermöglichen.
Alle Akteure einbinden
Die Gesundheitswirtschaft muss neue Ideen entwickeln, um die Herausforderungen zu meistern. Regionale Vernetzung aller Akteure ist dabei ein Schlüssel, um Hemmnisse zu überwinden und Effizienzreserven zu heben. Die Kooperation über die verschiedenen Berufsgruppen und Sektoren hinweg (Prävention, ambulante und stationäre Kuration und Rehabilitation) sowie zwischen Kommunen, Unternehmen und IHKs kann hier viel bewegen.
Text: Dr. Anne Zimmermann, DIHK
Sie haben Fragen und Anregungen? Dann kontaktieren Sie gerne unsere Expertin Dr. Nicole Zinckernagel.
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