Die gut 4.700 Betriebe der Branche sind Bindeglied zwischen unterschiedlichen wirtschaftlichen Gruppen – sei es in Werbung, Informationstechnologie, Telekommunikation, Filmproduktion, Design oder Marktforschung.Künftige Medienfachleute lernen an der Hochschule RheinMain im Medienpark „Unter den Eichen“. Zahlreiche Spitzenorganisationen des Films sind im Filmhaus der Murnau-Stiftung vereint, das im Frühjahr 2009 in der Landeshauptstadt eröffnet wurde.
Die Ansiedlung der deutschen Filmwirtschaft in den 1950er-Jahren – beispielsweise durch Studios des ZDF, des HR und des SWR – markiert den Ausgangspunkt für die Etablierung Wiesbadens als Medienstandort. Heute ist Wiesbaden, nach der Verlagerung dieser Sender in andere Regionen, weniger geprägt von der Präsenz der Fernsehsender als von modernen Medien und der Kommunikationsbranche. Wiesbaden hat sich zu einem Standort für kreative Wirtschaftsbereiche entwickelt, was die zahlreichen Internet- und Multimediadienstleister, Werbeagenturen, Software-Entwickler sowie Animations- und Trickfilmstudios in der Stadt verdeutlichen. Sind im deutschen Schnitt über 30 Prozent aller Kreativwirtschaftsbeschäftigten geringfügig beschäftigt, so sind es in Wiesbaden nur 15,6 Prozent. Das sind 2,3 Prozentpunkte unter dem Wert der Wiesbadener Gesamtwirtschaft. Im Jahr 2007 zählten fast 1.600 Wiesbadener Unternehmen, die einen Jahresumsatz von mindestens 17.500 Euro erreichten, zur Kreativwirtschaft. Dies entspricht einem Anteil von 12,4 Prozent der knapp 13.000 umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen. Die Landeshauptstadt liegt damit sowohl über dem deutschen Schnitt von 7,2 Prozent als auch über dem Wert der Rhein-Main-Region von 9,0.
Mit über einem Fünftel bzw. mit 356 Firmen verfügt der Designmarkt über den höchsten Unternehmensbesatz, gefolgt vom Werbemarkt mit 17,2 Prozent bzw. 270 Unternehmen und vom Architekturmarkt mit 17,1 Prozent bzw. einer Unternehmensanzahl von 269. Insgesamt befinden sich 9,6 Prozent aller Kreativwirtschaftsunternehmen der Rhein-Main-Region in Wiesbaden. Das sind 2,7 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt aller steuerpflichtigen Unternehmen. Der Werbemarkt ist mit Abstand der größte Umsatztreiber. Hier werden pro Unternehmen 4,9 Millionen Euro umgesetzt. An zweiter Stelle steht die Designwirtschaft mit einem Umsatz von 1,7 und an dritter Stelle der Pressemarkt mit 1,3 Millionen Euro pro Unternehmen.Im Jahr 2009 verzeichnete Wiesbaden fast 6.000 Beschäftigte in der Kreativwirtschaft, was einem Anteil von 4 Prozent der knapp150.000 Beschäftigten der Wiesbadener Gesamtwirtschaft entspricht. Damit liegt die Landeshauptstadt über dem deutschen Schnitt von 3,4 aber unter dem Wert der Rhein-Main-Region von 4,8 Prozent. Knapp ein Drittel aller Wiesbadener Kreativen bzw. 1.900 Beschäftigte arbeiten in der Soft ware- und Gamesindustrie, gefolgt vom Designmarkt mit 22,3 Prozent bzw. 1.318 Beschäftigten. Im Vergleich zur Region überdurchschnittlich stark lokalisierte Teilmärkte sind der Buchmarkt, der Architekturmarkt, die Filmwirtschaft, die Musikwirtschaft und der Kunstmarkt.
I. Schwerpunkt: Kommunikationsdesign
Das Aushängeschild für diesen Kreativ-Cluster ist der „Medienpark unter den Eichen“ auf dem ehemaligen ZDF-Gelände, wo ARD und ZDF immer noch ihre Medienakademie für Führungskräfte betreibt. Hier sind zahlreiche Medienunternehmen und Kommunikationsexperten sowie Werbeagenturen angesiedelt. Zudem befindet sich ein Ableger des Fachbereichs „Design, Informatik und Medien“ der Hochschule RheinMain in dem Medienpark, was eine sehr gute Voraussetzung für die Verzahnung von Ausbildung und Praxis in diesen Branchen darstellt. Hier sichern sich die Designstudenten einen Kreativpreis nach dem anderen. 2007 veröffentlichte das Fachblatt „werben & verkaufen“ eine Rangliste von Deutschlands Städten, bemessen nach ihrem kreativem Agenturpotenzial. Grundlage bildeten die in internationalen Kreativwettbewerben erzielten Auszeichnungen. Wie vermutet führten drei Großstädte (Hamburg, Berlin, Frankfurt) die Liste an. Auf dem vierten Platz fand sich Wiesbaden – mit deutlichem Abstand vor München, Düsseldorf und Stuttgart. Und bis heute ist die Bedeutung von Kommunikationsdesign made in Wiesbaden ungebrochen. Viele Absolventen der FH bleiben dem Hochschulort treu und gründen ihr Designbüro in Wiesbaden. So entstanden erfolgreiche Kreativagenturen wie Scholz & Volkmer, 3deluxe, Fuenfwerken, Die Firma, Michael Eibes Design und Q.
Die führenden Köpfe dieser sechs Unternehmen – von denen sich viele aus der Studienzeit kennen – setzten sich im Jahr 2006 mit Dr. Helmut Müller zusammen. Der damalige Stadtkämmerer und heutige Oberbürgermeister erkannte die Bedeutung von Design als Wirtschafts- und Standortfaktor. Gemeinsam beriet man, wie die Kompetenz der -„Designstadt Wiesbaden“ öffentlich kommuniziert werden kann. Die Kreativen schlugen vor, die Türen ihrer Büros zu öffnen – unter dem Titel „Access all areas“. Mit der Aufschrift „Bitte stören!“ ermunterten blaue Klinkenhänger dazu, durch Ateliers zu spazieren, Gespräche zu führen und Arbeiten zu studieren. Während der ersten Aktionstage 2007 blieb man noch weitgehend unter sich. Mittlerwiele beteiligten sich schon rund 30 Kreative und Agenturen sowie die IHK Wiesbaden und die Fachhochschule an dem Programm, zu dem auch Veranstaltungen zählen. Die Motive der Unternehmen und Personen, die sich bei „Access all areas“ beteiligen, sind unterschiedlich – während einige Agenturen potenzielle Mitarbeiter für sich gewinnen wollen, geht es anderen eher um öffentliche Wahrnehmung oder soziale Kontakte. Allen gemeinsam ist das Bewusstsein, dass sich in Wiesbaden nicht nur gut leben, sondern auch exzellente Designqualität hervorbringen lässt. Die bedeutende Rolle der Kreativwirtschaft färbt nachhaltig auf Wiesbaden ab – die Reputation vieler hier angesiedelter Unternehmen reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Stolz rückt man die eigene Leistungsstärke ins öffentliche Blickfeld.
II. Schwerpunkt: Filmwirtschaft
In Wiesbaden ist der deutsche Film zu Hause. Neben der bundesweiten Filmbewertungsstelle im Schloss Biebrich in Wiesbaden besitzt vor allem das Deutsche Filmhaus eine international noch darüber hinausgehende Strahlkraft. Die hoch angesehene Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung will mit ihrem seit 2009 neuem Domizil im Zentrum der Landeshauptstadt ihren Beitrag zu Pflege und Erhalt des filmischen Erbes öffentlich machen und ein kulturelles Zentrum der Begegnung und des Films schaffen. Es beherbergt zugleich die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) das Filmarchiv des Deutschen Filminstitut (DIF) und das Institut für Kino und Filmkultur (IKF). Die große Bedeutung des Films wird zudem durch die zahlreichen Filmfestivals deutlich wie "exground filmfest", "goEast", "Fernseh- und Krimifestival", Homonale" und "Atlantis - Natur- und Umweltfestival."
III. Schwerpunkt: Buchmarkt
Wiesbaden hat innerhalb der Rhein-Main-Region eine starke Konzentration von Spezial- und Fachverlagen. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die Umsiedlung der Branche nach dem Zweiten Weltkrieg von Leipzig nach Wiesbaden und Rhein-Main. In der Region finden zudem wichtige Branchentreffen wie die Frankfurter Buchmesse statt. Die Region ist zudem Standort von Institutionen, wie dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, sowie zahlreichen branchenspezifischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen, wie die Deutsche Buchhändlerschule oder entsprechende Institute an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt bzw. an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Die Region gilt als stärkstes deutsches Buchcluster, erleidet aber derzeit Verluste an Berlin als neue Medienmetropole mit niedrigeren Kosten und einem breiteren Pool an Kreativen. Wiesbaden ist nach Frankfurt der umsatzstärkste Buchmarkt der Rhein-Main-Region. Wiesbadens Stärke liegt jedoch in den vielen kleinen Spezialverlagen, so dass der Umsatz pro Unternehmen unterdurchschnittlich ist.